Verloren

 

Ich hab meine Sprache verloren,
meine Worte sind langsam verstummt.

Ich hab mein Gefühl verloren,
meine Sinne sind abgestumpft.

Ich hab den Sinn verloren,
mein Leben ist öde und leer.

Ich hab die Hoffnung verloren,
kein Trost bleibt für mich mehr.

Ich hab meinen Glauben verloren,
nur Zweifel bleibt mir noch.

Ich habe die Liebe verloren,
und trage klaglos mein Joch.

Ich hab das Vertrauen verloren,
betrogen durch falsches Gefühl.

Ich hab das Menschsein verloren,
es war nur ein herzloses Spiel.

Ich hab meine Träume verloren,
doch es berührt mich nicht mehr.

Ich hab Ideale verloren,
nun, ich vermiss sie nicht sehr.

Ich hab meine Tränen verloren,
wozu brauchte ich die bloß?

Ich hab meinen Verstand verloren,
er war ohnehin nicht sehr groß.

Ich hab meine Kraft verloren,
mein Tun ist ohne Frucht.

Ich hab mein Leben verloren,
ich hab es vergebens gesucht.

 

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Grauer Stein

 

Bleiche Silberscheibe, transparent im sich wandelnden Blau,
du Schwester meiner Nächte, über grauem Stein schwebend.
Die Erinnerung an meine Träume bringst du mit,
Träume gewoben in der Tiefe der Nacht voll Erinnerung.

Längst vergangen in alten Zeiten, als ich noch schlief, grauer Stein,
doch im Erwachen vergessend durch die Hast der Zeit.

Alter, grauer Stein – eine Berührung voll Erinnerung
und Sehnsucht erwacht in mir und ein Blick zu dir,
du Schwester meiner Nächte, dein Glanz auf grauem Stein.

Und die Sehnsucht erwacht mit der Erinnerung
nach vergessenen Momenten, die geflohen sind durch die Zeit.
Gesichter, kaum zu erkennen, hetzten vorbei,
Schatten, die ihnen folgen, zeigen, sie sind real.

Im Vergangenen findet sich die Gegenwart,
Zukunft wird bewusst und das Schwinden der Zeit.

Hoffnung breitet sich aus in mir unter der blassen Silberscheibe,
ein schwaches Licht, das Dunkel erhellen will,
doch das Dunkel bleibt, schweigend und still.

Sehnsucht nach deiner Berührung, Berührung für einen grauen Stein,
Sehnsucht nach dir, du Schwester meiner Nächte.

Ein Traum, du schwindest, kehrst zurück, doch unerreichbar,
und ich spüre, das ich lebe, du alter, grauer Stein.

Ich lebe, ich lebe wirklich noch,
trotz Steingewordenen Schweigens,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Der Morgen dämmert, die Nacht verlässt mich.
Meine Träume, alle schon im Vergessen?

Mein Fuß grau und voll Staub in trockener Hitze,
führt mich einen neuen Weg und zeigt mir eine neue Welt.
Vor mir – ein Bild, Zauber aus einer fernen Welt.

Im Springbrunnen, Wassertropfen, perlend in geronnener Zeit,
ein Sonnenstrahl findet Halt und gibt ein Bild.
Zauberhafter Regenbogen, komm und fülle mich aus.
Tief im Innern prägt sich ein Bild ein, wie aus grauem Stein gehauen.

Hoffnung und Erinnerung füllen mich aus,
wie ein leeres Gefäß nehme ich begierig alles auf.
Gefüllt von Grund auf bis zum Rand, überfließend
und ich fließe über und gebe alles was in mir ist.

Und ich spüre dass ich lebe, wirklich noch lebe,
ich lebe, alter, grauer Stein aus vergangener Zeit,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Geschrieben an einem Abend bei einem Cappuccino nach einem guten Essen und ausreichender Menge roten Weines in Erinnerung an bleibende Eindrücke und schmerzende Füße als Abschiedsgruß an Florenz
Firenze, 14. August 2000

 

 

 

Sizilien

Blick in den Krater

Aus verloschenen Kratern
steigt kein Rauch mehr.
Aus verloschenen Kratern
steigt kein Feuer mehr.

Stille, verloschene Glut,
wie in meinem Herzen.
Weinende Seele.
Verloschener Krater.

Im Innern der Erde
glühende Lava.
Im Innern der Erde
tobt ein Orkan.

Feurige, wilde Glut,
wie in meinem Herzen.
Schreiende Seele.
Ausbrechender Vulkan.

Insel meiner Träume

Rauschen des Meeres, salzige Luft,
in der Stille der Dämmerung.
Sanfte Wellen umspielen meine Füße.
Dein Zauber durchdringt mich ganz,

Du Traum.

Durch die schwirrende Luft
schwebt mir mein Traum entgegen.
Die Luft ist heiß,
die Sonne brennt auf mich herab.
Du entzündest mein Feuer.
Dein Zauber durchdringt mich ganz,

Du Traum.

Von dem Dach des Hauses
sehe ich das Meer
ohne Grenze zum Himmel.
Blau in Blau, in Farben
die nur Du malen kannst.
Dein Zauber durchdringt mich ganz,

Du Traum.
Du Insel meiner Träume.

 

 

Die Welt

 

Verdorrtes Land, verbrannte Erde
und Ödnis tief in unseren Herzen,
kein Leben mehr, nur tiefe Schmerzen,
und keine Hoffnung, dass Neues werde.

Getragen von qualmendem Rauch,
der über die Weite zieht und geht,
ein lautloser Wind, die Klage verweht
es weht noch ein schwarzer, kalter Hauch.

Es steigt nun auf das Grau des Grauens,
dringt in den letzten Lebenshauch,
geschwunden ist die Kraft des Vertrauens,
Verzweiflung bleibt, Leid und Elend auch.

Fahl und kahl steht nun die öde Welt,
verlassen sind die letzten, einsamen Seelen,
unsere Fehlbarkeit, sie ist uns vergelt,
können unsre Angst vor dem Tod nicht verhehlen.

Wir haben vernichtet und haben zerstört,
die Erde, die uns nicht allein gehört.
Der Mensch hat gebracht dieser Welt den Tod
und dafür wird uns richten der allmächtige Gott.

 

 

Zwischen Lärm, Blendung und Überreizung

 

Leicht und verspielt fliegt er durch die Welt,
die Sonne auf seinen Flügeln spiegelnd,
Wärme und Licht auf seinem Körper spürend,
leichter Wind treibt ihn vorwärts,
von Blüte zu Blüte, Leben saugend:
ein Schmetterling, der leicht durchs Leben fliegt.

Am Wegrand, spiegelnd in einer Pfütze,
sein graues Gefieder betrachtend, ein Spatz.
Leichtfüßig über den Weg hüpfend von Stein zu Stein,
auf der Suche nach Gras und Zweigen für sein Nest.
Eifrig und flink fliegt er durch die Luft,
seine Stimme verbindet sich mit der seiner Freunde.

Der Baum auf der Wiese wiegt sich im Wind,
leise, um seine Besucher nicht zu erschrecken,
breitet sein Blätterdach über die Schutzlosen,
spendet Schatten in der glühenden Hitze der Sonne,
trägt Früchte, um die Hungrigen zu nähren,
bietet Wohnstatt und Geborgenheit für den Suchenden.

Ein grauer Stein, ans Ufer gespült, glatt und rund,
vom Wasser hinweggespült alle Ecken und Kanten,
auf weichen Sand gebettet liegt er da und wartet,
spürt Regen und Wind und Sonne und Meer,
sieht Tag und Nacht, glänzt in der Abendsonne, sehnt sich,
sein lebendiges Herz aus steinerner Hülle zu sprengen.

Der Nachthimmel verblasst, der Morgen dämmert,
ein Mensch voll Hoffnung auf den Tag nach dunkler Nacht
steht am Meeresstrand und blickt über den Horizont,
den der nahende Tag mit sanftem Schimmer erfüllt,
das Kreischen der Möwe im Ohr, entfernt er sich langsam
um in einen Spiegel zu sehen und einen Traum zu vergessen.

Die Welt lärmt, doch ich schweige und schließe die Augen,
in einer Nacht träumte ich eine Welt, die ich nun suche,
sie zu finden, fordert meine Sinne, Hauch von Leben.
Zwischen Leben und Tod, zwischen Sinn und Unsinn,
spiegelt sich ein Traum, der das Sein zum Leben macht,
und die Frage nach meiner Existenz stellt sich nun.

 

 

Das Spiel

 
Einen traurigen Kindervers in den Ohren
Nimmt mein Auge nur trübes Licht wahr.
Gefangen in einem Käfig aus Kälte und Eis
schmecke ich die Bitterkeit meiner Tränen.

Ein Spielzeug bloß bin ich für Dich
Und spiele das falsche Spiel mit,
welches Du so gerne mit mir spielst.

Mein Schrei erstickt von Deiner Hand
Und Deinem kalten Lächeln.
Deine drohenden Worte begreife ich nicht,
aber ich spüre die Angst in mir aufsteigen.

Ich will das Spiel nicht mehr spielen!

Und ich singe ein trauriges Lied,
und meine Tränen fließen und gefrieren zu Eis.

 

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