Aufbruch

 

Nun schau ich in der Zeit zurück
auf Leiden und vergangnes Glück.

Der Hoffnung Same geht nun auf,
ich lass dem Leben seinen Lauf.

Bricht auf die Knospe im Morgentau
ihr flammend Herze ich dann schau.

Es perlet einer Träne gleich
ein Tautropfen aufs Erdenreich.

Benetzt die dürre Kruste sacht
und wie aus tiefen Schlaf erwacht,
gewecket von der Musen Kuss,
bin ich nun gänzlich ohn’ Verdruss.

Mach mich auf zu neuen Wegen
und der Zukunft froh entgegen.

 

 

Kleiner Vogel

 

Kleiner Vogel fliege weiter,
sing mir heute nicht dein Lied,
denn mein Herz ist heut nicht heiter,
weil das Glück schnell von mir flieht.

Und mit der ersten Morgenröte,
erwachen auch schon meine Nöte,
denn ich bin aus dunkler Nacht
mit schwerem Kummer heut erwacht.

Ich lag die Nacht im Tränenmeer,
du hattest schweigend mich verlassen.
Mein Herz, es ist mir nun so schwer:
Dein Bild, es will noch nicht verblassen.

Der Kummer frisst sich tief ins Herz
und bereitest mir schweren Schmerz,
Meine Seele hatte sich dir verbunden
und nun bist du mir fast entschwunden.

Wenn nur bliebe ein Hoffnungsschimmer,
ein Hauch von dem vergangnen Glück,
noch immer ist dein Duft im Zimmer,
und ich wünsche, du kommst zurück.

Mit einem bangen Blick steh ich am Fenster
schaue in die Nacht zurück auf die Gespenster,
die mich trieben in den tiefen, dunklen Wahn,
doch das Schicksal nimmt sich seine Bahn.

Zögerlich dringt durch das Wolkengrau
doch noch ein schwacher Sonnenstrahl,
und der Himmel färbt sich mit sanftem Blau,
die warme Sonne lindert meine tiefe Qual.

Im Garten duften die Blumen so lieblich mild,
die Wolken am Himmel zeichnen ein Wattebild,
am Fensterrahmen baut ein Netz sich die Spinne
und in mir erwachen wieder meine frohen Sinne.

Kleiner Vogel kehre wieder,
singe mir dein frohes Lied,
setz dich vor dem Fenster nieder,
bevor das Glück nun weiter zieht.

 

 

Die Allee

 

Gesäumt von hohen, stolzen Bäumen
erstreckst du dich unendlich mir,
und wie in stillen, fernen Träumen
betret ich deine Straße hier.

Gleißend bricht das Sonnenlicht
ungehemmt sich seine Bahn,
mein Auge hat die weite Sicht,
das Ziel sie doch nicht sah’n.

Und durch das grüne Blätterdach
ein Sonnenstrahl ganz stille fiel.
Dem Lichte ging ich fröhlich nach,
dort ahnt ich schon mein Ziel.

Den Weg voran mit gutem Mut,
da brach ich freudig auf.
Ich wusste, es wird alles gut,
das Schicksal nahm den Lauf.

Erster Schritt nun in die Weite,
ich wollt dem Ziele zu,
den Schatten stets mit im Geleite
und fand doch keine Ruh.

Das Ziel verloren in der Ferne
verlässt mich nun die Kraft.
Ich weiß, ich hätte nur zu gerne
den weiten, schweren Weg geschafft.

Weiter bringt mich kaum das Zaudern,
wenn das Ziel ich auch nicht sehe,
so ich doch mutig weitergehe,
was sollte mir auch schaudern.

Ich wende nun den Blick zurück,
und vorwärts drängt es mich so weit,
ich ging ja schon ein weites Stück,
und bin fürs Ziel bereit.

Gesäumt von hohen, stolzen Bäumen
erstreckst du dich unendlich mir,
und wie in stillen, fernen Träumen
verlass ich deine Straße hier.

 

 

Liebesopfer

 

Der Schmerz in meiner Brust
nimmt mir die Kraft,
lässt meinen Atem stillstehen,
meinen Körper gefrieren,
bohrt sich in meine Seele,
lässt den Schrei in meiner Kehle ersticken,
bringt mich zum Weinen
und weckt die Sehnsucht
nach einer unstillbaren Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

Mein Körper presst sich gegen den Dorn,
der mir die Lebenskraft nimmt.
Mein Atem wird schwach
und mein Bewusstsein schwindet
im Rausch dieser Nacht.
Der Blick verschwommen
im Nichts, dass mich erwartet.
Meine Hoffnung ist getäuscht
von einer unerwiderten Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

… und am Ende steht doch nur der Tod.

nach dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde

 

 

Für ein neues Leben

 

Lachende Kinder, die im Garten spielen
und manchmal bittre Tränen weinen,
ich will Lachen und Tränen in mir fühlen
und tief in meinem Herzen vereinen.

Das Leben, ein Spiel, eine Suche nach Wahrheit.
Es drängt sich das Dunkel in uns hinein.
Weit ist der Weg, verschwommene Klarheit,
nichts zeigt sich als trügerischer Schein.

Ich gehe nun fort
von diesem öden Ort,
nicht mit dem Fuß,
weil ich hier bleiben muss,
doch es tragen mich Gedanken
und ich werde nicht wanken,
tragen mich hinfort
zu einem lebendigen Ort.

Es zieht mich hinfort zu neuem Leben,
verlassen will ich die Trostlosigkeit.
Ich will ein neues Gewand mir weben
und es tragen zum Beginn der neuen Zeit.

Geläutert nun von außen und innen
wird für uns ein neues Leben beginnen.
Dann schreiten wir mutig zum neuen Ziel,
das Leben zu leben braucht es nicht viel.

Ich gehe nun fort
von diesem öden Ort,
nicht mit dem Fuß,
weil ich hier bleiben muss,
doch es tragen mich Gedanken
und ich werde nicht wanken,
tragen mich hinfort
zu einem lebendigen Ort.

 

 

Bitter und süß…

 

Dein Blick – ein unendlich tiefer Ozean.
Dein Blick – verhüllt von einem feuchten Schleier.
Dein Blick – berührt mich, dringt ins Herz.

Deine Augen sind Fenster zu deiner Seele
von deinen Wimpern tropft schwer herab
eine Träne, rein und klar, bitter und süß.

Gefesselt von der Macht des Augenblicks,
getragen von der unstillbaren Sehnsucht,
gibst du dich in meine Hände, gibst dich ganz.

Bitter und süß sind Schmerz und Lust,
ich fühle wie zerrinnt alles in der Zeit,
fühle die Leere, denn es ist vorbei.

Meine Lippen berühren deine Wangen,
Tautropfen gleich, so perlen deine Tränen ,
und ich schmecke sie: bitter und süß.

Bitter und Süß, wie der Schmerz,
wenn ich erwache und erkenne:
DU bist nicht bei mir.

 

 

Musik…

Die Gitarre

Eine sanfte Hand,
Berührung voll Zärtlichkeit,
sanft streichend auf deiner Seele,
steigernd zur Ekstase, mit Wildheit,
deine Tränen übersehend,
denn deine Seele weint.

Der feste Druck einer starken Hand
entlockt dir klangvolle Töne,
deine Seele singt, weint und schreit.

Der Augenblick von Sanftheit und Ekstase
vereint euch in tiefer Leidenschaft.

Die Hände, die dich beherrschen,
sind dein Leben, spielen mit dir
und verlieren sich in einem Traum
und doch verzaubern sie dich
und machen dich zu einem Traum.

Hände bringen deine Seele zum klingen
und du bringst Menschen zum träumen,
du Einzigartige …

Klavier-Etüde

Seit Stunden schon wandern meine Hände
über weiße Tasten und schwarze Tasten.

Tonleiter rauf und runter,
weiße Tasten, schwarze Tasten, weiße Tasten.
C-Dur, G-Dur, F-Dur, E-Moll, A-Moll.
Meine Finger sind schon ganz taub.
Noten verschwimmen vor meinen Augen.
Viertelnote, Achtelnote, Halbe Note, Ganze Note.
Rechte Hand, Linke Hand.
Eine Terz, eine Sekunde, eine Quarte, eine Quinte.
Dreiklangs-Töne und Oktave.
Immer dasselbe,
welch langweilige Etüde.

Doch was höre ich?
Die Töne wandeln sich
…zu Musik.

 

Der Spiegel

Eben, glatt und kühl,
so bist du, Spiegel.

Spiegel, was ist hinter dir?
Welches Rätsel verbirgst du?

Spiegelwelt hinter dem Spiegel.

Du spiegelst die Wirklichkeit wieder,
im Spiegelbild.

Spiegelwelt hinter dem Spiegel.

Aus dem Spiegel blickt mein Gesicht,
Wirklichkeit im Spiegelbild.

Gnadenlos zeigst du was du siehst.
Ist es mein wahres Gesicht?
Nichts weiter als ein Abbild?
Ein Abbild der Wirklichkeit?

Spiegel zeige mir, wer ich bin.
Zeig mir, Spiegel, was ich bin.
Sieh hinter die Maske.
Täuscht das Bild?

Spiegelwelt hinter dem Spiegel.

Du spiegelst die Wirklichkeit wieder,
im Spiegelbild.

Aus dem Spiegel blickt mein Gesicht,
Wirklichkeit im Spiegelbild.
Alles nur Spiegelbild,
alles nur ein Bild im Spiegel.

Nichts verbirgt sich in dir, Spiegel.
Kein Rätsel ist hinter dir, Spiegel.

Spiegelwelt hinter dem Spiegel.

Du spiegelst die Wirklichkeit wieder,
im Spiegelbild.

Eben, glatt und kühl,
so bist du, Spiegel.

 

 

Zeit – Kreis – Uhr

ZEIT-KREIS

WIE IM KREIS
ZIEHEN WIR UMHER.
KEIN ANFANG,
KEIN ENDE!
RUNDHERUM, RUNDHERUM!
DIE ZEIT
OHNE ANFANG,
OHNE ENDE,
EWIGKEIT.
NUR EIN KLEINES STÜCK
GEHEN WIR MIT.
DIE WELT DREHT SICH IM KREIS,
IMMERFORT UND DURCH DIE ZEIT.
DIE WELT DREHT SICH
UND MIT IHR LÄUFT
DIE ZEIT.
OHNE ANFANG.
OHNE ENDE.
EWIGKEIT.

DIE UHR

VOM GLEICHMÄßIGEN TICKEN
IN DEN SCHLAF GEWIEGT.
RUHELOS UND LANGSAM
ABER GEWIß WANDERN DIE ZEIGER
ÜBER DAS ZIFFERBLATT.
ZEIT, DIE VERGANGEN IST.
ZEIT, DIE VOR UNS LIEGT.
DIE VOLLE STUNDE SCHLÄGT,
REIßT MICH AUS DEM SCHLAF.
DU MAHNST MICH,
DAß DIE ZEIT VERGEHT.
UND ICH BIN ALLEIN.
ZEIT, DIE VERGANGEN IST.
ZEIT, DIE VOR UNS LIEGT.
UNAUFHÖRLICHKEIT?
NEIN!
DIE UHR BLEIBT STEHEN.
ERSTARRTE ZEIT – UNWIRKLICHKEIT.
VERGÄNGLICHKEIT WIRD BEWUßT.
MEINE UHR – STEHENGEBLIEBEN.

 

 

Schöpfungsakt

 

aus den tiefen des ozeans geboren,
das leben,
aus dem urgrund des tiefen blau entstiegen,
das leben,

aus dem schoss der ur-mutter,
der schöpferin,
geboren

das kind,
die unschuld,
der anfang,
beginn…

fluss
des lebens,
plätschernd
fließend,
windet sich den Weg.

träume reiten auf wellen
träumen fließen dahin
träume ergießen sich in den ozean
was aus dem ozean entstiegen ist,
fließt in den ozean zurück.

rückkehr
zum urgrund,
rückkehr
in den schoss der ur-mutter,
zur schöpferin

schöpfung
fluss
traum
heimkehr
in die tiefen des ozeans