Der Ruf

 

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
ich hoffe und liebe, ich zweifle und leide.
Mein Herz ist gebrochen und weint so sehr
und es gibt für mich keine Heilung mehr.

Der Blick in den Spiegel ist mir ein Graus,
das Blühen vorbei, das Welken begonnen,
die Zeit, sie ist unendlich schnell zerronnen.
Mein weinendes Herz weiß nicht ein noch aus.

Vergangen die Liebe, das Leben vorbei
nur Leiden bleibt in diesem tristen Einerlei.
Die Hoffnung, sie ist schon lange gestorben
nur diese Erkenntnis hab ich erst jetzt erworben.

Du hast meine Tränen zum fließen gebracht,
meine Seele zum weinen, mein Herz zur Qual.
Dann ist die eine Erkenntnis in mir erwacht
und nun hab ich nur noch die eine Wahl:

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
und die Wahrheit die ich bisher so meide:
das Leben, es wird nie mehr so wie es war
und diese Erkenntnis ist als einzige klar.

Verzweiflung und Hoffnung sie gehören dazu
Beides ist Teil unsres wechselhaften Lebens,
davon sicher war so viel Leiden vergebens
doch nun, liebes Herz, gehe zur ewigen Ruh.

Es ist vorbei die Zeit des Zweifels und der Leiden,
im stillen Frieden wird die Seele im Grabe ruhn.
Du musst deiner Seele nur den letzten Weg bereiten
trotz deiner Angst, du weißt, was du musst tun.

Ein letzter Gedanke, der zwischen uns drang,
Freund, doch davon lass dich nicht machen bang
Still! Wir beide sind nun auf ewig verbunden,
bald hast du dies Leben für immer überwunden.

Mein bist du für immer und ewig, für ewig mein,
lass endlich los von diesem vergänglichen Sein.
Ich bin dein Freund, dein letzter Freund: der Tod,
reich mir die Hand, komm und nie mehr hast du Not.

 

 

Nächtliche Elegie

 

Eine Nacht voller Schweigen,
eine Nacht voller Dunkelheit,
eine Nacht liegt vor mir.
Ein Schrei der Verzweiflung,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Schatten huschen durch die Nacht.
Schatten, aus der Vergangenheit
Schatten, die meine Zukunft werden
Schatten voller Schweigen,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Den Geschmack der Erde in meinem Mund,
den Geruch der Verwesung in meiner Nase
und die Kälte der Nacht streift meine Haut.
Ich sehe den Schatten meines Selbst,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Ich kann seine Stimme hören,
das Blut in meinen Adern gefriert,
mein Herz ist gelähmt,
Schatten fallen über mich,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Und sein Name ist TOD.

 

Nächtliche Magie

 

Leise wirbelnde Trommelschläge
dringen an mein Ohr.
Von Weitem hör ich dumpfen Klang,
der sich mit Dunkel mischt.

In der Schwärze der Nacht
spüre ich jede Schwingung.
Auf meiner Haut spiegelt sich
das Feuer der Fackeln
und zeigt gespenstische Schatten
zwischen den Bäumen.

Das Trommeln wird schneller und lauter,
Wolfgeheul in der Ferne
und menschliche Stimmen,
ersterbend in der Magie der Nacht.

Die Trommeln steigern sich zur Ekstase,
die Nacht erreicht ihre tiefsten Schatten.

Das Schweigen ist gebrochen,
und das Dunkel ist gebrochen.

Trommel und Feuer verbinden sich
zu einer Nacht voller Magie.

Das Blut in meinen Adern
nimmt den Rhythmus der Trommeln auf
und das Feuer brennt in mir.

Das Feuer verbrennt mich
und die Trommeln werden zum Totengesang.

 

 

Am Lagerfeuer

 

Es brennt das Feuer lodernd hell,
verzehrt die trocknen Zweige,
die Funken sprühen in die Nacht,
ich sitz am Feuer und schweige.
Und einsam halt ich hier die Wacht,
des Nachts allein an düstrer Stell.

Es nähert sich ein finsterer Geselle:
„Mein Freund, darf ich mich wärmen?“
und schweigend nicke ich ihm zu.
„Ich möcht vom Feuer schwärmen,
hier finde ich nun kurze Ruh.
Für meine Rast eine gute Stelle.“

Es lodert das Feuer im Dunkel so helle.
„So bist du weit gereist in der Nacht?“
„Ich war niemals gern gesehener Gast.“
Ich hab gehört, wie er leise gelacht.
„Die Menschen sind von so großer Hast,
ich war ihnen zu schnell zur Stelle.“

So wurde nun er zu meinen Gesellen
an diesem stillen, nächtlichen Feuer.
„Freund, weißt du nicht, wer ich bin?“
Was ich erahnte, war ungeheuer.
Sein Besuch hatte nur einen Sinn.
Ich wollt keine Fragen mehr stellen.

Die Nacht wurde langsam helle
das Feuer verlosch mit dem Tage.
Ich blickte ihn an verstohlen
Und dann stellte ich die Frage:
„Kommst du um mich zu holen?
Bist du deshalb jetzt zur Stelle?“

Es lächelt mein finstrer Geselle:
„Hab keine Angst, ich bin bei dir
erlös dich von all deinem Leiden
deine Zeit ist vorbei, jetzt und hier,
du kannst diesen Weg nicht meiden.“
Ich folge ihm und der Tag wird helle.

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
vergangen ist der Tag.
Die Stunde, die ich mag:
die Nacht, bricht nun herauf,
nimmt alles seinen Lauf.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
Dringt in die Stille ein,
im Becher kreist der Wein.
Nun, Freunde, es ist Zeit.
Seid ihr für diese Nacht bereit?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst euch doch bitte zeigen,
was liegt in diesem Schweigen.
Bevor ich jetzt beginne,
lasst ruhen eure Sinne.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
drum ruhet stille, Kameraden.
Es ziehen Nebelschaden
durch eure wirren Träume hin.
Erkennt ihr einen Sinn?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
zieht schwarz mir nun ins Herz,
zu fühlen diesen tiefen Schmerz.
So reich ich euch nun meine Hand,
lasst flechten uns ein festes Band.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst uns die Hoffnung wecken,
die sich nun will verstecken.
Es wird uns seinen Segen geben,
der Herr über Tod und Leben.

 

 

Warten auf den Tod

 

Von weitem hör ich eine Stimme
leise und doch ganz nah,
wie Rauen klingt es an mein Ohr.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Schatten schleicht sich aus dem Dunkel,
leise, wie aus einem Traum,
leicht schwebend und bebend naht er sich.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Erdiger Duft steigt in meine Nase,
nach frischer, eben gegrabener Erde,
der Duft durchdringt mich ganz.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Windhauch streift meinen Arm,
kühl – nein, eisig, frostig kalt,
durchdringt mir Mark und Bein.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein stummer Schrei entringt sich meiner Kehle,
stumm und doch ein Schrei,
stummer Schrei mit allerletzter Kraft.

Habe ich auf Dich gewartet?
Keine Antwort – Grabesstille!

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur endlich Ruh!

 

 

Am Sterbebett/Am Grab eines Freundes

 

Am Sterbebett eines Freundes

Warte nur, es sind nur noch Minuten,
vielleicht auch nur Sekunden.
Es bleibt uns keine Zeit!
Warte mein Freund, verlass mich nicht!
Hast Du das Recht mich zu verlassen?
Nein! Geh nicht!

Bleib mein Freund!
Du lässt mich allein zurück,
weißt Du, was Du mir antust?
Freund, das Leben ist so kurz,
doch Du hast Dir die Jahre selbst gestohlen.

Warum hast Du geschwiegen?
Hattest Du kein Vertrauen?
Wie soll ich Dir vergeben?
Lass mich nicht allein auf dieser Welt!

Wir stellen Fragen, finden keine Antwort.
Was ist das: Leben?
Was ist das: Tod?

Warte mein Freund!
Zu spät! Alles vorbei!

 

Am Grab eines Freundes

Alles Schwarz – der Himmel, die Erde.
Wut und Trauer fressen sich in mein Herz.

Ich muss Dir vergeben,
ruhe in Frieden, mein Freund!
Alles Schwarz! Warte!
Ich will Dir folgen! Nein, zu spät!

Man senkt Deinen Sarg in die dunkle Erde,
Du wirst zu Staub, der Du warst.
Nur meine Tränen halten Dich lebendig.

 

Dieses Gedicht könnt ihr auch anhören:

Die Nacht am Grabe

 

Sie steigt herab, die dunkle Nacht
bringt Frieden über deinem Grab,
es leuchtet hell die Sternenpracht
bescheint so still dein tiefes Grab.

Es gingen wohl viele Nächte vorbei,
du fehlst mir in meinem Leben
und immer sehne ich dich herbei,
doch du bist nicht mehr am Leben.

Tränen, die ich an deinem Grab geweint,
Die Tränen, sie sind so still geflossen.
Wir hatten unsere Herzen für ewig vereint,
und für dich hab ich Tränen vergossen.

Und unsere Träume, sie sind nun zerronnen,
unsere Zeit, sie ging viel zu schnell zu Ende,
bevor noch für uns hat das Leben begonnen.
In tiefer Trauer warte ich still auf das Ende.

Im Herzen bleibst du auf ewig bei mir,
ich will die Erinnerung tief in mir wahren,
meine Gedanken, mein Fühlen ist stets bei dir
und ich will dich in meinem Herzen bewahren.

Wir werden uns treffen, in einer besseren Welt,
am Ende der Zeit, wenn die Liebe noch lebt.
Wir werden uns treffen, in einer besseren Welt,
und unsere Liebe, ich weiß, dass sie ewig noch lebt.