Der Ruf

 

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
ich hoffe und liebe, ich zweifle und leide.
Mein Herz ist gebrochen und weint so sehr
und es gibt für mich keine Heilung mehr.

Der Blick in den Spiegel ist mir ein Graus,
das Blühen vorbei, das Welken begonnen,
die Zeit, sie ist unendlich schnell zerronnen.
Mein weinendes Herz weiß nicht ein noch aus.

Vergangen die Liebe, das Leben vorbei
nur Leiden bleibt in diesem tristen Einerlei.
Die Hoffnung, sie ist schon lange gestorben
nur diese Erkenntnis hab ich erst jetzt erworben.

Du hast meine Tränen zum fließen gebracht,
meine Seele zum weinen, mein Herz zur Qual.
Dann ist die eine Erkenntnis in mir erwacht
und nun hab ich nur noch die eine Wahl:

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
und die Wahrheit die ich bisher so meide:
das Leben, es wird nie mehr so wie es war
und diese Erkenntnis ist als einzige klar.

Verzweiflung und Hoffnung sie gehören dazu
Beides ist Teil unsres wechselhaften Lebens,
davon sicher war so viel Leiden vergebens
doch nun, liebes Herz, gehe zur ewigen Ruh.

Es ist vorbei die Zeit des Zweifels und der Leiden,
im stillen Frieden wird die Seele im Grabe ruhn.
Du musst deiner Seele nur den letzten Weg bereiten
trotz deiner Angst, du weißt, was du musst tun.

Ein letzter Gedanke, der zwischen uns drang,
Freund, doch davon lass dich nicht machen bang
Still! Wir beide sind nun auf ewig verbunden,
bald hast du dies Leben für immer überwunden.

Mein bist du für immer und ewig, für ewig mein,
lass endlich los von diesem vergänglichen Sein.
Ich bin dein Freund, dein letzter Freund: der Tod,
reich mir die Hand, komm und nie mehr hast du Not.

 

 

Am Sterbebett/Am Grab eines Freundes

 

Am Sterbebett eines Freundes

Warte nur, es sind nur noch Minuten,
vielleicht auch nur Sekunden.
Es bleibt uns keine Zeit!
Warte mein Freund, verlass mich nicht!
Hast Du das Recht mich zu verlassen?
Nein! Geh nicht!

Bleib mein Freund!
Du lässt mich allein zurück,
weißt Du, was Du mir antust?
Freund, das Leben ist so kurz,
doch Du hast Dir die Jahre selbst gestohlen.

Warum hast Du geschwiegen?
Hattest Du kein Vertrauen?
Wie soll ich Dir vergeben?
Lass mich nicht allein auf dieser Welt!

Wir stellen Fragen, finden keine Antwort.
Was ist das: Leben?
Was ist das: Tod?

Warte mein Freund!
Zu spät! Alles vorbei!

 

Am Grab eines Freundes

Alles Schwarz – der Himmel, die Erde.
Wut und Trauer fressen sich in mein Herz.

Ich muss Dir vergeben,
ruhe in Frieden, mein Freund!
Alles Schwarz! Warte!
Ich will Dir folgen! Nein, zu spät!

Man senkt Deinen Sarg in die dunkle Erde,
Du wirst zu Staub, der Du warst.
Nur meine Tränen halten Dich lebendig.

 

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