Liebesopfer

 

Der Schmerz in meiner Brust
nimmt mir die Kraft,
lässt meinen Atem stillstehen,
meinen Körper gefrieren,
bohrt sich in meine Seele,
lässt den Schrei in meiner Kehle ersticken,
bringt mich zum Weinen
und weckt die Sehnsucht
nach einer unstillbaren Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

Mein Körper presst sich gegen den Dorn,
der mir die Lebenskraft nimmt.
Mein Atem wird schwach
und mein Bewusstsein schwindet
im Rausch dieser Nacht.
Der Blick verschwommen
im Nichts, dass mich erwartet.
Meine Hoffnung ist getäuscht
von einer unerwiderten Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

… und am Ende steht doch nur der Tod.

nach dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde

 

 

Verloren

 

Ich hab meine Sprache verloren,
meine Worte sind langsam verstummt.

Ich hab mein Gefühl verloren,
meine Sinne sind abgestumpft.

Ich hab den Sinn verloren,
mein Leben ist öde und leer.

Ich hab die Hoffnung verloren,
kein Trost bleibt für mich mehr.

Ich hab meinen Glauben verloren,
nur Zweifel bleibt mir noch.

Ich habe die Liebe verloren,
und trage klaglos mein Joch.

Ich hab das Vertrauen verloren,
betrogen durch falsches Gefühl.

Ich hab das Menschsein verloren,
es war nur ein herzloses Spiel.

Ich hab meine Träume verloren,
doch es berührt mich nicht mehr.

Ich hab Ideale verloren,
nun, ich vermiss sie nicht sehr.

Ich hab meine Tränen verloren,
wozu brauchte ich die bloß?

Ich hab meinen Verstand verloren,
er war ohnehin nicht sehr groß.

Ich hab meine Kraft verloren,
mein Tun ist ohne Frucht.

Ich hab mein Leben verloren,
ich hab es vergebens gesucht.

 

Dieses Gedicht könnt ihr auch anhören:

 

Nachtgedanken im Mondlicht

 

Es spiegelt kühl und silbern,
der Mond sich wohl im Teich,
Es steht am Himmelsgewölbe,
der Mond so still und bleich
und bietet sich uns prachtvoll dar.
Die Nacht ist kalt und klar.

Es wacht die Nacht still über uns,
erklingt das Lied der Nachtigall.
Lausche, Freund, lausche wohl:
von Ferne klingt süßer Widerhall.
Aphrodite, geboren aus Schaum,
begegnet dir in deinem Traum.

Ein Traum weckt tiefe Sehnsucht
und lässt lodernd dich entbrennen.
Luna nur als Zeuge und eine Nachtigall:
Deine Liebe, du musst sie nun bekennen.
Es bleibt ein vergessener Liebesschwur:
Wohin ist die Liebe entschwunden nur?

Schwermütig zieht der Mond die Bahn
und bringt die wehen, bösen Schmerzen,
das Leid von verratener, treuloser Liebe
die tief sich fressen in gramgebeugte Herzen.
Tiefeinsam, ohne Hoffnung bleibt zurück:
eine trauende Seele, verlassen vom Glück.

Doch hörst du jetzt die Nachtigall?
Sie bringt dir noch ihr holdes Lied.
Fass zu, ergreif das Glück beim Schopfe:
Nun, so sei du deines Glückes Schmied!
Wahre Liebe, so übersehe sie nicht,
denn ihr Gewand ist oft sehr schlicht.

In den Tiefen des stillen Wassers,
spiegelt sich der Mond im Teich
und seine verborgene, magische Kraft
Macht die Herzen der Liebenden reich.
Die Nacht, sie weckt verborgene Triebe,
nun gib dich hin, der alles verzehrenden Liebe.

 

 

Der Zauber einer fernen Nacht

 

Die Nacht verhüllt deinen Zauber,
der Mond taucht dich in Licht.
In deiner Schönheit stehst du vor mir,
und eine Ahnung erreicht mein Herz.
Meine Seele erhebt sich voll Sehnsucht,
unsichtbare Schwingen tragen mich dir entgegen.
Fliehe nicht vor mir, lass dich umfassen,
lass mich in dir ruhen, nur ein Wunsch:
ich möchte dich atmen, ich will dein sein
im Zauber dieser einen Nacht.
Ich folge deinem Weg und Trauer erfasst mich.
Nicht zu fassender Geliebter,
warum fliehst du mich?
Meine Seele weint,
und entschwunden ist
der Zauber einer fernen Nacht.

Sehnsucht verblasst,
Vergessen kommt.
Zeit ist vergangen.
Das Auge müde,
das Haar ergraut.
Ich sehe dich nicht,
ich höre dich nicht,
ich rieche dich nicht,
ich schmecke dich nicht,
ich fühle dich nicht.
Du bist Vergangenheit,
du bist Vergessen.
Kein Gedanke mehr
an dich,
an den Zauber einer fernen Nacht.

 

 

Der Mond

 

Der Mond steht am Himmel,
die Nacht ist dunkel.
Alles schläft, kein Ton,
die Nacht ist still.

Der alte Baum dort an der Wegbiegung,
steht da in tiefer Dunkelheit.
Er scheint ein gewaltig großer Troll,
entflohen aus dem Reich der Märchen.

Und der Mond scheint über der Nacht.

Der Wald ist unheimlich und still,
doch ist er voller Stimmen.
Ein Käuzchen ruft,
der Wolf heult in der Ferne.
Die Nachtigall sie singt ihr Lied.

Und der Mond scheint über der Nacht.

Philomele klagt über verlorene Liebe,
die silberne Luna lächelt auf ein Liebespaar herab.
Die zarten Töne weichen der Traurigkeit.
Ein einsames Herz entschwindet im Dunkel.

Und der Mond scheint über der Nacht.

Der Mond steht am Himmel, die Nacht ist dunkel.
Alles schläft, kein Ton, die Nacht ist still.

Lautlos schallt Philomeles Lied
zu Dir, silberne Luna.

 

 

Der Ruf

 

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
ich hoffe und liebe, ich zweifle und leide.
Mein Herz ist gebrochen und weint so sehr
und es gibt für mich keine Heilung mehr.

Der Blick in den Spiegel ist mir ein Graus,
das Blühen vorbei, das Welken begonnen,
die Zeit, sie ist unendlich schnell zerronnen.
Mein weinendes Herz weiß nicht ein noch aus.

Vergangen die Liebe, das Leben vorbei
nur Leiden bleibt in diesem tristen Einerlei.
Die Hoffnung, sie ist schon lange gestorben
nur diese Erkenntnis hab ich erst jetzt erworben.

Du hast meine Tränen zum fließen gebracht,
meine Seele zum weinen, mein Herz zur Qual.
Dann ist die eine Erkenntnis in mir erwacht
und nun hab ich nur noch die eine Wahl:

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
und die Wahrheit die ich bisher so meide:
das Leben, es wird nie mehr so wie es war
und diese Erkenntnis ist als einzige klar.

Verzweiflung und Hoffnung sie gehören dazu
Beides ist Teil unsres wechselhaften Lebens,
davon sicher war so viel Leiden vergebens
doch nun, liebes Herz, gehe zur ewigen Ruh.

Es ist vorbei die Zeit des Zweifels und der Leiden,
im stillen Frieden wird die Seele im Grabe ruhn.
Du musst deiner Seele nur den letzten Weg bereiten
trotz deiner Angst, du weißt, was du musst tun.

Ein letzter Gedanke, der zwischen uns drang,
Freund, doch davon lass dich nicht machen bang
Still! Wir beide sind nun auf ewig verbunden,
bald hast du dies Leben für immer überwunden.

Mein bist du für immer und ewig, für ewig mein,
lass endlich los von diesem vergänglichen Sein.
Ich bin dein Freund, dein letzter Freund: der Tod,
reich mir die Hand, komm und nie mehr hast du Not.

 

 

Novembergrau

 

Es steigen die Nebelschwaden
aus tiefstem Morgengrund.
Du hast uns eingeladen
zum letzten festen Bund.

Der Morgen grau und neblig,
der Tag steigt fad herauf.
Es ist mir gar so eisig
und doch geht’s seinen Lauf.

Novembernebel steigen
dir wohl ins Mark hinein.
Ich will dir trotzdem zeigen,
wie schön der Herbst kann sein.

Der Tag erwacht im Dunkel,
senkt sich zu schwarzer Nacht,
dann steigt das Sternenfunkel
herauf in schöner Pracht.

Nun sitzen wir am Feuer,
die Glut uns langsam wärmt,
die Nacht wirkt ungeheuer,
kein Mensch in ihr noch lärmt.

In einer stillen kalten Nacht,
am Feuer wir uns wärmen.
Wir halten hier gemeinsamt Wacht
und sehn die Sterne schwärmen.

Mein Herz, dass ich klopfen höre
und tief in mir fühle ich die Liebe.
Ich hör unendliche Sternenchöre,
und ergebe mich ganz jenem Triebe.

Die Nacht, sie ist im Schwinden,
vorbei der schöne Traum.
Ich werd dich wieder finden,
unter kahlem Novemberbaum.

 

 

Serenade, nachts vor dem Fenster zu singen

 

Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
glitzert wie ein Diamant in stiller, tiefer Nacht.
Ein süßes Lied nun zu dir bringt, lauer Sommerwind.
Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
komm, Holde, in die Arme der Nacht geschwind,
denn über dem Himmel steht für uns Sternenpracht.
Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
glitzert wie ein Diamant in stiller, tiefer Nacht.

Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
du zitterst, schauderst vor den wilden Trieben
Im meinen Armen spür ich dein tiefes Bangen.
Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
Hör das Lied, dass uns die Nachtigallen sangen:
Es klingt von Nächten, wir solln uns innig lieben.
Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
du zitterst, schauderst vor den wilden Trieben.

Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
dass du selbst zum Kusse reichst mir deine Lippen.
Mein banges Sehnen, drohte mich zu verbrennen.
Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
Dass, seit dieser Nacht, Geliebte wir uns nennen,
und ich den süßen Nektar, den du schenkst, darf nippen.
Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
dass du selbst zum Kusse reichst mir deine Lippen.

 

 

 

Die Nacht am Grabe

 

Sie steigt herab, die dunkle Nacht
bringt Frieden über deinem Grab,
es leuchtet hell die Sternenpracht
bescheint so still dein tiefes Grab.

Es gingen wohl viele Nächte vorbei,
du fehlst mir in meinem Leben
und immer sehne ich dich herbei,
doch du bist nicht mehr am Leben.

Tränen, die ich an deinem Grab geweint,
Die Tränen, sie sind so still geflossen.
Wir hatten unsere Herzen für ewig vereint,
und für dich hab ich Tränen vergossen.

Und unsere Träume, sie sind nun zerronnen,
unsere Zeit, sie ging viel zu schnell zu Ende,
bevor noch für uns hat das Leben begonnen.
In tiefer Trauer warte ich still auf das Ende.

Im Herzen bleibst du auf ewig bei mir,
ich will die Erinnerung tief in mir wahren,
meine Gedanken, mein Fühlen ist stets bei dir
und ich will dich in meinem Herzen bewahren.

Wir werden uns treffen, in einer besseren Welt,
am Ende der Zeit, wenn die Liebe noch lebt.
Wir werden uns treffen, in einer besseren Welt,
und unsere Liebe, ich weiß, dass sie ewig noch lebt.