Kleiner Vogel

 

Kleiner Vogel fliege weiter,
sing mir heute nicht dein Lied,
denn mein Herz ist heut nicht heiter,
weil das Glück schnell von mir flieht.

Und mit der ersten Morgenröte,
erwachen auch schon meine Nöte,
denn ich bin aus dunkler Nacht
mit schwerem Kummer heut erwacht.

Ich lag die Nacht im Tränenmeer,
du hattest schweigend mich verlassen.
Mein Herz, es ist mir nun so schwer:
Dein Bild, es will noch nicht verblassen.

Der Kummer frisst sich tief ins Herz
und bereitest mir schweren Schmerz,
Meine Seele hatte sich dir verbunden
und nun bist du mir fast entschwunden.

Wenn nur bliebe ein Hoffnungsschimmer,
ein Hauch von dem vergangnen Glück,
noch immer ist dein Duft im Zimmer,
und ich wünsche, du kommst zurück.

Mit einem bangen Blick steh ich am Fenster
schaue in die Nacht zurück auf die Gespenster,
die mich trieben in den tiefen, dunklen Wahn,
doch das Schicksal nimmt sich seine Bahn.

Zögerlich dringt durch das Wolkengrau
doch noch ein schwacher Sonnenstrahl,
und der Himmel färbt sich mit sanftem Blau,
die warme Sonne lindert meine tiefe Qual.

Im Garten duften die Blumen so lieblich mild,
die Wolken am Himmel zeichnen ein Wattebild,
am Fensterrahmen baut ein Netz sich die Spinne
und in mir erwachen wieder meine frohen Sinne.

Kleiner Vogel kehre wieder,
singe mir dein frohes Lied,
setz dich vor dem Fenster nieder,
bevor das Glück nun weiter zieht.

 

 

Erntelied

 

Grünes Laub ist nun recht selten,
denn schon beginnt es still zu welken,
buntes Laub, es fällt von Bäumen,
vom goldenen Herbst wir nun träumen.
Ich fühl den Herbstregen, den feuchten.
Das Weinlaub auch will rot uns leuchten.

Das Rauschen vom roten Weinlaub
dringt sanft und still an mein Ohr,
und im Rauschen vom roten Weinlaub,
hör ich schon den lustigen Winzerchor.

Erntelied, es klingt von ferne,
und ich höre es so gerne.
Prall, saftig und süß sind die Reben,
sie werden köstlichen Wein uns geben.
Gefüllt mit Birnen, Äpfeln und Trauben,
der Korb, das könnt ihr mir glauben.

Gelb, braun, orange und rot die Blätter
nasskalt wird bald schon das Wetter.
Erntezeit nun schnell zu Ende geht,
der Wind über abgeerntete Felder weht.

Im hohlen Kürbis abends die Kerze leuchtet,
das Erntelied, es erklingt so froh und helle
und der Weinkrug kreist in der Runde schnelle,
der edle Göttertrank die Kehle uns befeuchtet.
Verworren sind die Sinne vom Rebentrank
froh für die Erntegaben wir nun sagen Dank.

Erntelied, es klingt von ferne,
und ich höre es so gerne.
Fröhlich dringt nun an mein Ohr
jetzt der lustige Winzerchor.

 

 

Serenade, nachts vor dem Fenster zu singen

 

Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
glitzert wie ein Diamant in stiller, tiefer Nacht.
Ein süßes Lied nun zu dir bringt, lauer Sommerwind.
Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
komm, Holde, in die Arme der Nacht geschwind,
denn über dem Himmel steht für uns Sternenpracht.
Eine Träne sich aus deinem Auge stiehlt, mein Kind,
glitzert wie ein Diamant in stiller, tiefer Nacht.

Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
du zitterst, schauderst vor den wilden Trieben
Im meinen Armen spür ich dein tiefes Bangen.
Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
Hör das Lied, dass uns die Nachtigallen sangen:
Es klingt von Nächten, wir solln uns innig lieben.
Die Röte steigt in deine scheuen Wangen,
du zitterst, schauderst vor den wilden Trieben.

Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
dass du selbst zum Kusse reichst mir deine Lippen.
Mein banges Sehnen, drohte mich zu verbrennen.
Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
Dass, seit dieser Nacht, Geliebte wir uns nennen,
und ich den süßen Nektar, den du schenkst, darf nippen.
Du zögerst noch, doch musst du nun bekennen,
dass du selbst zum Kusse reichst mir deine Lippen.

 

 

 

Lied der Nacht

 

Sing ein Lied für mich
in dieser stillen Nacht,
zünde eine Kerze an für mich
in dieser dunklen Nacht.

Sei mein Schatten
in dieser leeren Nacht,
sei meine Stimme
in dieser stummen Nacht.

Wärme mich
in dieser kalten Nacht,
und schweige mit mir
in dieser toten Nacht.

 

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