Am Lagerfeuer

 

Es brennt das Feuer lodernd hell,
verzehrt die trocknen Zweige,
die Funken sprühen in die Nacht,
ich sitz am Feuer und schweige.
Und einsam halt ich hier die Wacht,
des Nachts allein an düstrer Stell.

Es nähert sich ein finsterer Geselle:
„Mein Freund, darf ich mich wärmen?“
und schweigend nicke ich ihm zu.
„Ich möcht vom Feuer schwärmen,
hier finde ich nun kurze Ruh.
Für meine Rast eine gute Stelle.“

Es lodert das Feuer im Dunkel so helle.
„So bist du weit gereist in der Nacht?“
„Ich war niemals gern gesehener Gast.“
Ich hab gehört, wie er leise gelacht.
„Die Menschen sind von so großer Hast,
ich war ihnen zu schnell zur Stelle.“

So wurde nun er zu meinen Gesellen
an diesem stillen, nächtlichen Feuer.
„Freund, weißt du nicht, wer ich bin?“
Was ich erahnte, war ungeheuer.
Sein Besuch hatte nur einen Sinn.
Ich wollt keine Fragen mehr stellen.

Die Nacht wurde langsam helle
das Feuer verlosch mit dem Tage.
Ich blickte ihn an verstohlen
Und dann stellte ich die Frage:
„Kommst du um mich zu holen?
Bist du deshalb jetzt zur Stelle?“

Es lächelt mein finstrer Geselle:
„Hab keine Angst, ich bin bei dir
erlös dich von all deinem Leiden
deine Zeit ist vorbei, jetzt und hier,
du kannst diesen Weg nicht meiden.“
Ich folge ihm und der Tag wird helle.

 

Herbststimmung

 

Der Sommer vergangen – Erntezeit.
Wege mit buntem Laub bedeckt.
September – Zeit des Abschieds –
und der Herbst beginnt.

Letztes Aufbegehren des Lebens,
vor der langen Ruhe des Winters,
und Hoffen auf einen neuen Frühling.

Letzte Sonnenstrahlen
Dringen durch das Wolkenmeer.

Goldner Oktober bald gehst auch Du.
Buntes Laub fällt von den Bäumen,
gelb, braun, rot – letztes verwelkendes Grün.
Der Wind trägt die Blätter durch die Luft,
sanft gleiten sie zu Boden.

Der Wind lässt Drachen aufsteigen,
über den abgeernteten Feldern.
Die Blätter des Weinstocks färben sich rot.
Die Erntezeit ist vergangen.

Dämmrig ist es, alles grau in grau.
Nebel liegt über den Tälern,
langsam steigt er herauf.

Die Bäume – fast kahl –
bizarre Gebilde im Dämmerlicht.
Frost steigt vom Boden auf.
Kalter, trüber Novembermorgen.

Feiner Sprühregen benetzt die kahlen Bäume.
Immer stärker wird der Regen – Herbstregen.
Nasse Wege – glitschiges Laub.

Erster Frost – zarter Reif
auf den Dächern der Häuser.
Die Ruhe des Winters steht bevor.

 

 

Warten auf den Tod

 

Von weitem hör ich eine Stimme
leise und doch ganz nah,
wie Rauen klingt es an mein Ohr.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Schatten schleicht sich aus dem Dunkel,
leise, wie aus einem Traum,
leicht schwebend und bebend naht er sich.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Erdiger Duft steigt in meine Nase,
nach frischer, eben gegrabener Erde,
der Duft durchdringt mich ganz.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Windhauch streift meinen Arm,
kühl – nein, eisig, frostig kalt,
durchdringt mir Mark und Bein.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein stummer Schrei entringt sich meiner Kehle,
stumm und doch ein Schrei,
stummer Schrei mit allerletzter Kraft.

Habe ich auf Dich gewartet?
Keine Antwort – Grabesstille!

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur endlich Ruh!