Kleiner Vogel

 

Kleiner Vogel fliege weiter,
sing mir heute nicht dein Lied,
denn mein Herz ist heut nicht heiter,
weil das Glück schnell von mir flieht.

Und mit der ersten Morgenröte,
erwachen auch schon meine Nöte,
denn ich bin aus dunkler Nacht
mit schwerem Kummer heut erwacht.

Ich lag die Nacht im Tränenmeer,
du hattest schweigend mich verlassen.
Mein Herz, es ist mir nun so schwer:
Dein Bild, es will noch nicht verblassen.

Der Kummer frisst sich tief ins Herz
und bereitest mir schweren Schmerz,
Meine Seele hatte sich dir verbunden
und nun bist du mir fast entschwunden.

Wenn nur bliebe ein Hoffnungsschimmer,
ein Hauch von dem vergangnen Glück,
noch immer ist dein Duft im Zimmer,
und ich wünsche, du kommst zurück.

Mit einem bangen Blick steh ich am Fenster
schaue in die Nacht zurück auf die Gespenster,
die mich trieben in den tiefen, dunklen Wahn,
doch das Schicksal nimmt sich seine Bahn.

Zögerlich dringt durch das Wolkengrau
doch noch ein schwacher Sonnenstrahl,
und der Himmel färbt sich mit sanftem Blau,
die warme Sonne lindert meine tiefe Qual.

Im Garten duften die Blumen so lieblich mild,
die Wolken am Himmel zeichnen ein Wattebild,
am Fensterrahmen baut ein Netz sich die Spinne
und in mir erwachen wieder meine frohen Sinne.

Kleiner Vogel kehre wieder,
singe mir dein frohes Lied,
setz dich vor dem Fenster nieder,
bevor das Glück nun weiter zieht.

 

 

Liebesopfer

 

Der Schmerz in meiner Brust
nimmt mir die Kraft,
lässt meinen Atem stillstehen,
meinen Körper gefrieren,
bohrt sich in meine Seele,
lässt den Schrei in meiner Kehle ersticken,
bringt mich zum Weinen
und weckt die Sehnsucht
nach einer unstillbaren Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

Mein Körper presst sich gegen den Dorn,
der mir die Lebenskraft nimmt.
Mein Atem wird schwach
und mein Bewusstsein schwindet
im Rausch dieser Nacht.
Der Blick verschwommen
im Nichts, dass mich erwartet.
Meine Hoffnung ist getäuscht
von einer unerwiderten Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

… und am Ende steht doch nur der Tod.

nach dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde

 

 

Bitter und süß…

 

Dein Blick – ein unendlich tiefer Ozean.
Dein Blick – verhüllt von einem feuchten Schleier.
Dein Blick – berührt mich, dringt ins Herz.

Deine Augen sind Fenster zu deiner Seele
von deinen Wimpern tropft schwer herab
eine Träne, rein und klar, bitter und süß.

Gefesselt von der Macht des Augenblicks,
getragen von der unstillbaren Sehnsucht,
gibst du dich in meine Hände, gibst dich ganz.

Bitter und süß sind Schmerz und Lust,
ich fühle wie zerrinnt alles in der Zeit,
fühle die Leere, denn es ist vorbei.

Meine Lippen berühren deine Wangen,
Tautropfen gleich, so perlen deine Tränen ,
und ich schmecke sie: bitter und süß.

Bitter und Süß, wie der Schmerz,
wenn ich erwache und erkenne:
DU bist nicht bei mir.

 

 

Die Welt

 

Verdorrtes Land, verbrannte Erde
und Ödnis tief in unseren Herzen,
kein Leben mehr, nur tiefe Schmerzen,
und keine Hoffnung, dass Neues werde.

Getragen von qualmendem Rauch,
der über die Weite zieht und geht,
ein lautloser Wind, die Klage verweht
es weht noch ein schwarzer, kalter Hauch.

Es steigt nun auf das Grau des Grauens,
dringt in den letzten Lebenshauch,
geschwunden ist die Kraft des Vertrauens,
Verzweiflung bleibt, Leid und Elend auch.

Fahl und kahl steht nun die öde Welt,
verlassen sind die letzten, einsamen Seelen,
unsere Fehlbarkeit, sie ist uns vergelt,
können unsre Angst vor dem Tod nicht verhehlen.

Wir haben vernichtet und haben zerstört,
die Erde, die uns nicht allein gehört.
Der Mensch hat gebracht dieser Welt den Tod
und dafür wird uns richten der allmächtige Gott.

 

 

Nachtgedanken im Mondlicht

 

Es spiegelt kühl und silbern,
der Mond sich wohl im Teich,
Es steht am Himmelsgewölbe,
der Mond so still und bleich
und bietet sich uns prachtvoll dar.
Die Nacht ist kalt und klar.

Es wacht die Nacht still über uns,
erklingt das Lied der Nachtigall.
Lausche, Freund, lausche wohl:
von Ferne klingt süßer Widerhall.
Aphrodite, geboren aus Schaum,
begegnet dir in deinem Traum.

Ein Traum weckt tiefe Sehnsucht
und lässt lodernd dich entbrennen.
Luna nur als Zeuge und eine Nachtigall:
Deine Liebe, du musst sie nun bekennen.
Es bleibt ein vergessener Liebesschwur:
Wohin ist die Liebe entschwunden nur?

Schwermütig zieht der Mond die Bahn
und bringt die wehen, bösen Schmerzen,
das Leid von verratener, treuloser Liebe
die tief sich fressen in gramgebeugte Herzen.
Tiefeinsam, ohne Hoffnung bleibt zurück:
eine trauende Seele, verlassen vom Glück.

Doch hörst du jetzt die Nachtigall?
Sie bringt dir noch ihr holdes Lied.
Fass zu, ergreif das Glück beim Schopfe:
Nun, so sei du deines Glückes Schmied!
Wahre Liebe, so übersehe sie nicht,
denn ihr Gewand ist oft sehr schlicht.

In den Tiefen des stillen Wassers,
spiegelt sich der Mond im Teich
und seine verborgene, magische Kraft
Macht die Herzen der Liebenden reich.
Die Nacht, sie weckt verborgene Triebe,
nun gib dich hin, der alles verzehrenden Liebe.

 

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
vergangen ist der Tag.
Die Stunde, die ich mag:
die Nacht, bricht nun herauf,
nimmt alles seinen Lauf.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
Dringt in die Stille ein,
im Becher kreist der Wein.
Nun, Freunde, es ist Zeit.
Seid ihr für diese Nacht bereit?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst euch doch bitte zeigen,
was liegt in diesem Schweigen.
Bevor ich jetzt beginne,
lasst ruhen eure Sinne.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
drum ruhet stille, Kameraden.
Es ziehen Nebelschaden
durch eure wirren Träume hin.
Erkennt ihr einen Sinn?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
zieht schwarz mir nun ins Herz,
zu fühlen diesen tiefen Schmerz.
So reich ich euch nun meine Hand,
lasst flechten uns ein festes Band.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst uns die Hoffnung wecken,
die sich nun will verstecken.
Es wird uns seinen Segen geben,
der Herr über Tod und Leben.

 

 

Stimmen

 

Der Tag heut ist da,
jene Stunde schon nah!
Eisig grausig stürmt die Nacht!
Mensch, hast du alles wohl bedacht?
Kälte durchströmt jedes trauernde Herz,
ich miss die Liebe, fühle nur noch Schmerz!

Sieh auf den grünen Rasen nieder,
hör die Vögel singen wieder,
jeder Mensch ist voller Wonne,
und es scheint die goldne Sonne.
Des Frühlings goldener, sonniger Schein,
leuchtet ins fröhliche Herz hinein!

 

Oh, erklinge doch – du Stimme der Natur,
holde Stimme der Sehnsucht, des Lebens!

Leise Klänge, wie Musik, zart und sanft.
Die Vögel singen ihr frohes Lied,
der Specht schlägt im Takt des Sommers mit.
Die Mücken führen ihren Sommerreigen auf.
Weben und Leben allen Wesens,
Dirigent ist Mutter Natur!

Nur Du Mensch,
der du dich Krone der Schöpfung nennst,
willst dich ihr nicht fügen?

Ergib dich ihrer sanften Macht,
bevor ihre gewaltsame Kraft dich zu Boden drückt,
denn du bist nur ein Teil des  ganzen  Großen!
Ein Teil von ihr, der großen Mutter Natur!

 

 

Nächtlicher Traum

 

In dieser einen stillen Nacht
erfasste mich mit aller Macht:
Sehnsucht, die mein Herz erfüllte
und meinen Verstand umhüllte,
den Hoffnungsfunken angezündet,
einen süßen Traum mir verkündet.

Gespiegelt in der Wirklichkeit,
vergessen in Raum und Zeit,
zieht ein Gedanke nun hinaus
breitet den Schmerz der Seele aus.
Vergessen sind Lust und Leid,
mein Herz war noch nicht bereit.

Ich lebe und leide tiefen Schmerz,
der sich gräbt in mein wundes Herz.
Und ich wünsche herbei den Tag,
der das Leid von mir nehmen mag.
Mag nun auch die Nacht davon eilen,
doch nichts kann dieses Herz hier heilen.

Siehst du die Sterne dort!
Wie gern wäre ich an jenem Ort,
wo werden alle Träume wahr
und dann wird mir endlich klar,
auch wenn ich es glaube kaum:
du warst nur ein schöner Traum.

 

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