Liebesopfer

 

Der Schmerz in meiner Brust
nimmt mir die Kraft,
lässt meinen Atem stillstehen,
meinen Körper gefrieren,
bohrt sich in meine Seele,
lässt den Schrei in meiner Kehle ersticken,
bringt mich zum Weinen
und weckt die Sehnsucht
nach einer unstillbaren Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

Mein Körper presst sich gegen den Dorn,
der mir die Lebenskraft nimmt.
Mein Atem wird schwach
und mein Bewusstsein schwindet
im Rausch dieser Nacht.
Der Blick verschwommen
im Nichts, dass mich erwartet.
Meine Hoffnung ist getäuscht
von einer unerwiderten Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

… und am Ende steht doch nur der Tod.

nach dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde

 

 

Grauer Stein

 

Bleiche Silberscheibe, transparent im sich wandelnden Blau,
du Schwester meiner Nächte, über grauem Stein schwebend.
Die Erinnerung an meine Träume bringst du mit,
Träume gewoben in der Tiefe der Nacht voll Erinnerung.

Längst vergangen in alten Zeiten, als ich noch schlief, grauer Stein,
doch im Erwachen vergessend durch die Hast der Zeit.

Alter, grauer Stein – eine Berührung voll Erinnerung
und Sehnsucht erwacht in mir und ein Blick zu dir,
du Schwester meiner Nächte, dein Glanz auf grauem Stein.

Und die Sehnsucht erwacht mit der Erinnerung
nach vergessenen Momenten, die geflohen sind durch die Zeit.
Gesichter, kaum zu erkennen, hetzten vorbei,
Schatten, die ihnen folgen, zeigen, sie sind real.

Im Vergangenen findet sich die Gegenwart,
Zukunft wird bewusst und das Schwinden der Zeit.

Hoffnung breitet sich aus in mir unter der blassen Silberscheibe,
ein schwaches Licht, das Dunkel erhellen will,
doch das Dunkel bleibt, schweigend und still.

Sehnsucht nach deiner Berührung, Berührung für einen grauen Stein,
Sehnsucht nach dir, du Schwester meiner Nächte.

Ein Traum, du schwindest, kehrst zurück, doch unerreichbar,
und ich spüre, das ich lebe, du alter, grauer Stein.

Ich lebe, ich lebe wirklich noch,
trotz Steingewordenen Schweigens,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Der Morgen dämmert, die Nacht verlässt mich.
Meine Träume, alle schon im Vergessen?

Mein Fuß grau und voll Staub in trockener Hitze,
führt mich einen neuen Weg und zeigt mir eine neue Welt.
Vor mir – ein Bild, Zauber aus einer fernen Welt.

Im Springbrunnen, Wassertropfen, perlend in geronnener Zeit,
ein Sonnenstrahl findet Halt und gibt ein Bild.
Zauberhafter Regenbogen, komm und fülle mich aus.
Tief im Innern prägt sich ein Bild ein, wie aus grauem Stein gehauen.

Hoffnung und Erinnerung füllen mich aus,
wie ein leeres Gefäß nehme ich begierig alles auf.
Gefüllt von Grund auf bis zum Rand, überfließend
und ich fließe über und gebe alles was in mir ist.

Und ich spüre dass ich lebe, wirklich noch lebe,
ich lebe, alter, grauer Stein aus vergangener Zeit,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Geschrieben an einem Abend bei einem Cappuccino nach einem guten Essen und ausreichender Menge roten Weines in Erinnerung an bleibende Eindrücke und schmerzende Füße als Abschiedsgruß an Florenz
Firenze, 14. August 2000

 

 

 

Nachtgedanken im Mondlicht

 

Es spiegelt kühl und silbern,
der Mond sich wohl im Teich,
Es steht am Himmelsgewölbe,
der Mond so still und bleich
und bietet sich uns prachtvoll dar.
Die Nacht ist kalt und klar.

Es wacht die Nacht still über uns,
erklingt das Lied der Nachtigall.
Lausche, Freund, lausche wohl:
von Ferne klingt süßer Widerhall.
Aphrodite, geboren aus Schaum,
begegnet dir in deinem Traum.

Ein Traum weckt tiefe Sehnsucht
und lässt lodernd dich entbrennen.
Luna nur als Zeuge und eine Nachtigall:
Deine Liebe, du musst sie nun bekennen.
Es bleibt ein vergessener Liebesschwur:
Wohin ist die Liebe entschwunden nur?

Schwermütig zieht der Mond die Bahn
und bringt die wehen, bösen Schmerzen,
das Leid von verratener, treuloser Liebe
die tief sich fressen in gramgebeugte Herzen.
Tiefeinsam, ohne Hoffnung bleibt zurück:
eine trauende Seele, verlassen vom Glück.

Doch hörst du jetzt die Nachtigall?
Sie bringt dir noch ihr holdes Lied.
Fass zu, ergreif das Glück beim Schopfe:
Nun, so sei du deines Glückes Schmied!
Wahre Liebe, so übersehe sie nicht,
denn ihr Gewand ist oft sehr schlicht.

In den Tiefen des stillen Wassers,
spiegelt sich der Mond im Teich
und seine verborgene, magische Kraft
Macht die Herzen der Liebenden reich.
Die Nacht, sie weckt verborgene Triebe,
nun gib dich hin, der alles verzehrenden Liebe.

 

 

Der Zauber einer fernen Nacht

 

Die Nacht verhüllt deinen Zauber,
der Mond taucht dich in Licht.
In deiner Schönheit stehst du vor mir,
und eine Ahnung erreicht mein Herz.
Meine Seele erhebt sich voll Sehnsucht,
unsichtbare Schwingen tragen mich dir entgegen.
Fliehe nicht vor mir, lass dich umfassen,
lass mich in dir ruhen, nur ein Wunsch:
ich möchte dich atmen, ich will dein sein
im Zauber dieser einen Nacht.
Ich folge deinem Weg und Trauer erfasst mich.
Nicht zu fassender Geliebter,
warum fliehst du mich?
Meine Seele weint,
und entschwunden ist
der Zauber einer fernen Nacht.

Sehnsucht verblasst,
Vergessen kommt.
Zeit ist vergangen.
Das Auge müde,
das Haar ergraut.
Ich sehe dich nicht,
ich höre dich nicht,
ich rieche dich nicht,
ich schmecke dich nicht,
ich fühle dich nicht.
Du bist Vergangenheit,
du bist Vergessen.
Kein Gedanke mehr
an dich,
an den Zauber einer fernen Nacht.