Liebesopfer

 

Der Schmerz in meiner Brust
nimmt mir die Kraft,
lässt meinen Atem stillstehen,
meinen Körper gefrieren,
bohrt sich in meine Seele,
lässt den Schrei in meiner Kehle ersticken,
bringt mich zum Weinen
und weckt die Sehnsucht
nach einer unstillbaren Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

Mein Körper presst sich gegen den Dorn,
der mir die Lebenskraft nimmt.
Mein Atem wird schwach
und mein Bewusstsein schwindet
im Rausch dieser Nacht.
Der Blick verschwommen
im Nichts, dass mich erwartet.
Meine Hoffnung ist getäuscht
von einer unerwiderten Liebe.

Und ich fühle mich wie die Nachtigall,
die ihr Herzblut gibt,
um eine Rose Purpur zu färben.

… und am Ende steht doch nur der Tod.

nach dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde

 

 

Die Welt

 

Verdorrtes Land, verbrannte Erde
und Ödnis tief in unseren Herzen,
kein Leben mehr, nur tiefe Schmerzen,
und keine Hoffnung, dass Neues werde.

Getragen von qualmendem Rauch,
der über die Weite zieht und geht,
ein lautloser Wind, die Klage verweht
es weht noch ein schwarzer, kalter Hauch.

Es steigt nun auf das Grau des Grauens,
dringt in den letzten Lebenshauch,
geschwunden ist die Kraft des Vertrauens,
Verzweiflung bleibt, Leid und Elend auch.

Fahl und kahl steht nun die öde Welt,
verlassen sind die letzten, einsamen Seelen,
unsere Fehlbarkeit, sie ist uns vergelt,
können unsre Angst vor dem Tod nicht verhehlen.

Wir haben vernichtet und haben zerstört,
die Erde, die uns nicht allein gehört.
Der Mensch hat gebracht dieser Welt den Tod
und dafür wird uns richten der allmächtige Gott.

 

 

Der Ruf

 

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
ich hoffe und liebe, ich zweifle und leide.
Mein Herz ist gebrochen und weint so sehr
und es gibt für mich keine Heilung mehr.

Der Blick in den Spiegel ist mir ein Graus,
das Blühen vorbei, das Welken begonnen,
die Zeit, sie ist unendlich schnell zerronnen.
Mein weinendes Herz weiß nicht ein noch aus.

Vergangen die Liebe, das Leben vorbei
nur Leiden bleibt in diesem tristen Einerlei.
Die Hoffnung, sie ist schon lange gestorben
nur diese Erkenntnis hab ich erst jetzt erworben.

Du hast meine Tränen zum fließen gebracht,
meine Seele zum weinen, mein Herz zur Qual.
Dann ist die eine Erkenntnis in mir erwacht
und nun hab ich nur noch die eine Wahl:

Ich lebe und liebe, ich lebe und leide,
und die Wahrheit die ich bisher so meide:
das Leben, es wird nie mehr so wie es war
und diese Erkenntnis ist als einzige klar.

Verzweiflung und Hoffnung sie gehören dazu
Beides ist Teil unsres wechselhaften Lebens,
davon sicher war so viel Leiden vergebens
doch nun, liebes Herz, gehe zur ewigen Ruh.

Es ist vorbei die Zeit des Zweifels und der Leiden,
im stillen Frieden wird die Seele im Grabe ruhn.
Du musst deiner Seele nur den letzten Weg bereiten
trotz deiner Angst, du weißt, was du musst tun.

Ein letzter Gedanke, der zwischen uns drang,
Freund, doch davon lass dich nicht machen bang
Still! Wir beide sind nun auf ewig verbunden,
bald hast du dies Leben für immer überwunden.

Mein bist du für immer und ewig, für ewig mein,
lass endlich los von diesem vergänglichen Sein.
Ich bin dein Freund, dein letzter Freund: der Tod,
reich mir die Hand, komm und nie mehr hast du Not.

 

 

Nächtliche Elegie

 

Eine Nacht voller Schweigen,
eine Nacht voller Dunkelheit,
eine Nacht liegt vor mir.
Ein Schrei der Verzweiflung,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Schatten huschen durch die Nacht.
Schatten, aus der Vergangenheit
Schatten, die meine Zukunft werden
Schatten voller Schweigen,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Den Geschmack der Erde in meinem Mund,
den Geruch der Verwesung in meiner Nase
und die Kälte der Nacht streift meine Haut.
Ich sehe den Schatten meines Selbst,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Ich kann seine Stimme hören,
das Blut in meinen Adern gefriert,
mein Herz ist gelähmt,
Schatten fallen über mich,
und der auf mich wartet,
tritt aus dem Dunkel
das um mich her ist.

Und sein Name ist TOD.

 

Am Lagerfeuer

 

Es brennt das Feuer lodernd hell,
verzehrt die trocknen Zweige,
die Funken sprühen in die Nacht,
ich sitz am Feuer und schweige.
Und einsam halt ich hier die Wacht,
des Nachts allein an düstrer Stell.

Es nähert sich ein finsterer Geselle:
„Mein Freund, darf ich mich wärmen?“
und schweigend nicke ich ihm zu.
„Ich möcht vom Feuer schwärmen,
hier finde ich nun kurze Ruh.
Für meine Rast eine gute Stelle.“

Es lodert das Feuer im Dunkel so helle.
„So bist du weit gereist in der Nacht?“
„Ich war niemals gern gesehener Gast.“
Ich hab gehört, wie er leise gelacht.
„Die Menschen sind von so großer Hast,
ich war ihnen zu schnell zur Stelle.“

So wurde nun er zu meinen Gesellen
an diesem stillen, nächtlichen Feuer.
„Freund, weißt du nicht, wer ich bin?“
Was ich erahnte, war ungeheuer.
Sein Besuch hatte nur einen Sinn.
Ich wollt keine Fragen mehr stellen.

Die Nacht wurde langsam helle
das Feuer verlosch mit dem Tage.
Ich blickte ihn an verstohlen
Und dann stellte ich die Frage:
„Kommst du um mich zu holen?
Bist du deshalb jetzt zur Stelle?“

Es lächelt mein finstrer Geselle:
„Hab keine Angst, ich bin bei dir
erlös dich von all deinem Leiden
deine Zeit ist vorbei, jetzt und hier,
du kannst diesen Weg nicht meiden.“
Ich folge ihm und der Tag wird helle.

 

Warten auf den Tod

 

Von weitem hör ich eine Stimme
leise und doch ganz nah,
wie Rauen klingt es an mein Ohr.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Schatten schleicht sich aus dem Dunkel,
leise, wie aus einem Traum,
leicht schwebend und bebend naht er sich.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Erdiger Duft steigt in meine Nase,
nach frischer, eben gegrabener Erde,
der Duft durchdringt mich ganz.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein Windhauch streift meinen Arm,
kühl – nein, eisig, frostig kalt,
durchdringt mir Mark und Bein.

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur meine Ruh.

Ein stummer Schrei entringt sich meiner Kehle,
stumm und doch ein Schrei,
stummer Schrei mit allerletzter Kraft.

Habe ich auf Dich gewartet?
Keine Antwort – Grabesstille!

Ich weiß nicht, was ich tu,
ich will nur endlich Ruh!

 

 

Am Sterbebett/Am Grab eines Freundes

 

Am Sterbebett eines Freundes

Warte nur, es sind nur noch Minuten,
vielleicht auch nur Sekunden.
Es bleibt uns keine Zeit!
Warte mein Freund, verlass mich nicht!
Hast Du das Recht mich zu verlassen?
Nein! Geh nicht!

Bleib mein Freund!
Du lässt mich allein zurück,
weißt Du, was Du mir antust?
Freund, das Leben ist so kurz,
doch Du hast Dir die Jahre selbst gestohlen.

Warum hast Du geschwiegen?
Hattest Du kein Vertrauen?
Wie soll ich Dir vergeben?
Lass mich nicht allein auf dieser Welt!

Wir stellen Fragen, finden keine Antwort.
Was ist das: Leben?
Was ist das: Tod?

Warte mein Freund!
Zu spät! Alles vorbei!

 

Am Grab eines Freundes

Alles Schwarz – der Himmel, die Erde.
Wut und Trauer fressen sich in mein Herz.

Ich muss Dir vergeben,
ruhe in Frieden, mein Freund!
Alles Schwarz! Warte!
Ich will Dir folgen! Nein, zu spät!

Man senkt Deinen Sarg in die dunkle Erde,
Du wirst zu Staub, der Du warst.
Nur meine Tränen halten Dich lebendig.

 

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