Aufbruch

 

Nun schau ich in der Zeit zurück
auf Leiden und vergangnes Glück.

Der Hoffnung Same geht nun auf,
ich lass dem Leben seinen Lauf.

Bricht auf die Knospe im Morgentau
ihr flammend Herze ich dann schau.

Es perlet einer Träne gleich
ein Tautropfen aufs Erdenreich.

Benetzt die dürre Kruste sacht
und wie aus tiefen Schlaf erwacht,
gewecket von der Musen Kuss,
bin ich nun gänzlich ohn’ Verdruss.

Mach mich auf zu neuen Wegen
und der Zukunft froh entgegen.

 

 

Für ein neues Leben

 

Lachende Kinder, die im Garten spielen
und manchmal bittre Tränen weinen,
ich will Lachen und Tränen in mir fühlen
und tief in meinem Herzen vereinen.

Das Leben, ein Spiel, eine Suche nach Wahrheit.
Es drängt sich das Dunkel in uns hinein.
Weit ist der Weg, verschwommene Klarheit,
nichts zeigt sich als trügerischer Schein.

Ich gehe nun fort
von diesem öden Ort,
nicht mit dem Fuß,
weil ich hier bleiben muss,
doch es tragen mich Gedanken
und ich werde nicht wanken,
tragen mich hinfort
zu einem lebendigen Ort.

Es zieht mich hinfort zu neuem Leben,
verlassen will ich die Trostlosigkeit.
Ich will ein neues Gewand mir weben
und es tragen zum Beginn der neuen Zeit.

Geläutert nun von außen und innen
wird für uns ein neues Leben beginnen.
Dann schreiten wir mutig zum neuen Ziel,
das Leben zu leben braucht es nicht viel.

Ich gehe nun fort
von diesem öden Ort,
nicht mit dem Fuß,
weil ich hier bleiben muss,
doch es tragen mich Gedanken
und ich werde nicht wanken,
tragen mich hinfort
zu einem lebendigen Ort.

 

 

Zeit – Kreis – Uhr

ZEIT-KREIS

WIE IM KREIS
ZIEHEN WIR UMHER.
KEIN ANFANG,
KEIN ENDE!
RUNDHERUM, RUNDHERUM!
DIE ZEIT
OHNE ANFANG,
OHNE ENDE,
EWIGKEIT.
NUR EIN KLEINES STÜCK
GEHEN WIR MIT.
DIE WELT DREHT SICH IM KREIS,
IMMERFORT UND DURCH DIE ZEIT.
DIE WELT DREHT SICH
UND MIT IHR LÄUFT
DIE ZEIT.
OHNE ANFANG.
OHNE ENDE.
EWIGKEIT.

DIE UHR

VOM GLEICHMÄßIGEN TICKEN
IN DEN SCHLAF GEWIEGT.
RUHELOS UND LANGSAM
ABER GEWIß WANDERN DIE ZEIGER
ÜBER DAS ZIFFERBLATT.
ZEIT, DIE VERGANGEN IST.
ZEIT, DIE VOR UNS LIEGT.
DIE VOLLE STUNDE SCHLÄGT,
REIßT MICH AUS DEM SCHLAF.
DU MAHNST MICH,
DAß DIE ZEIT VERGEHT.
UND ICH BIN ALLEIN.
ZEIT, DIE VERGANGEN IST.
ZEIT, DIE VOR UNS LIEGT.
UNAUFHÖRLICHKEIT?
NEIN!
DIE UHR BLEIBT STEHEN.
ERSTARRTE ZEIT – UNWIRKLICHKEIT.
VERGÄNGLICHKEIT WIRD BEWUßT.
MEINE UHR – STEHENGEBLIEBEN.

 

 

Grauer Stein

 

Bleiche Silberscheibe, transparent im sich wandelnden Blau,
du Schwester meiner Nächte, über grauem Stein schwebend.
Die Erinnerung an meine Träume bringst du mit,
Träume gewoben in der Tiefe der Nacht voll Erinnerung.

Längst vergangen in alten Zeiten, als ich noch schlief, grauer Stein,
doch im Erwachen vergessend durch die Hast der Zeit.

Alter, grauer Stein – eine Berührung voll Erinnerung
und Sehnsucht erwacht in mir und ein Blick zu dir,
du Schwester meiner Nächte, dein Glanz auf grauem Stein.

Und die Sehnsucht erwacht mit der Erinnerung
nach vergessenen Momenten, die geflohen sind durch die Zeit.
Gesichter, kaum zu erkennen, hetzten vorbei,
Schatten, die ihnen folgen, zeigen, sie sind real.

Im Vergangenen findet sich die Gegenwart,
Zukunft wird bewusst und das Schwinden der Zeit.

Hoffnung breitet sich aus in mir unter der blassen Silberscheibe,
ein schwaches Licht, das Dunkel erhellen will,
doch das Dunkel bleibt, schweigend und still.

Sehnsucht nach deiner Berührung, Berührung für einen grauen Stein,
Sehnsucht nach dir, du Schwester meiner Nächte.

Ein Traum, du schwindest, kehrst zurück, doch unerreichbar,
und ich spüre, das ich lebe, du alter, grauer Stein.

Ich lebe, ich lebe wirklich noch,
trotz Steingewordenen Schweigens,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Der Morgen dämmert, die Nacht verlässt mich.
Meine Träume, alle schon im Vergessen?

Mein Fuß grau und voll Staub in trockener Hitze,
führt mich einen neuen Weg und zeigt mir eine neue Welt.
Vor mir – ein Bild, Zauber aus einer fernen Welt.

Im Springbrunnen, Wassertropfen, perlend in geronnener Zeit,
ein Sonnenstrahl findet Halt und gibt ein Bild.
Zauberhafter Regenbogen, komm und fülle mich aus.
Tief im Innern prägt sich ein Bild ein, wie aus grauem Stein gehauen.

Hoffnung und Erinnerung füllen mich aus,
wie ein leeres Gefäß nehme ich begierig alles auf.
Gefüllt von Grund auf bis zum Rand, überfließend
und ich fließe über und gebe alles was in mir ist.

Und ich spüre dass ich lebe, wirklich noch lebe,
ich lebe, alter, grauer Stein aus vergangener Zeit,

ich lebe um dir zu sagen, dass ich dich liebe.

Geschrieben an einem Abend bei einem Cappuccino nach einem guten Essen und ausreichender Menge roten Weines in Erinnerung an bleibende Eindrücke und schmerzende Füße als Abschiedsgruß an Florenz
Firenze, 14. August 2000

 

 

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel

 

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
vergangen ist der Tag.
Die Stunde, die ich mag:
die Nacht, bricht nun herauf,
nimmt alles seinen Lauf.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
Dringt in die Stille ein,
im Becher kreist der Wein.
Nun, Freunde, es ist Zeit.
Seid ihr für diese Nacht bereit?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst euch doch bitte zeigen,
was liegt in diesem Schweigen.
Bevor ich jetzt beginne,
lasst ruhen eure Sinne.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
drum ruhet stille, Kameraden.
Es ziehen Nebelschaden
durch eure wirren Träume hin.
Erkennt ihr einen Sinn?

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
zieht schwarz mir nun ins Herz,
zu fühlen diesen tiefen Schmerz.
So reich ich euch nun meine Hand,
lasst flechten uns ein festes Band.

Die Zeit füllt sich mit Dunkel,
lasst uns die Hoffnung wecken,
die sich nun will verstecken.
Es wird uns seinen Segen geben,
der Herr über Tod und Leben.