Prosa

Großmutters alte Krippe

Weihnachten rückt mit großen Schritten näher, Zeit für eine kleine Weihnachtsgeschichte aus meiner Feder. Hier ein kleiner Auszug, die komplette Geschichte findest du unter Meine Erzählungen

„Kann ich Ihnen helfen?“ die Stimme gehört zu einen alten Mann mit schneeweißem Haar, der sie freundlich anlächelte und ihr die Hand reichte. „Ich glaube, es geht schon.“ antwortete sie, während sie versuchte aufzustehen. Dankend nahm sie die Hand, die sich ihr entgegenstreckte. „Kommen Sie doch mit in meinen Laden, dort können Sie sich ein wenig ausruhen. Möchten Sie vielleicht eine Tasse heißen Tee?“ Dieser freundlichen Einladung konnte sie nicht widerstehen und sie folgte ihm in ein kleines anheimelndes Antiquitätengeschäft.
Es duftete nach Weihrauch, der sich aus der Pfeife eines buckeligen Hirten auf einem klitzekleinen Biedermeiertischchen wand. Sie nahm auf einem Hocker Platz und betrachtete ihre Umgebung. Es war keiner von diesen schäbigen Läden, die man sonst in dieser Gegend fand, hier hatte man das Gefühl in einer anderen Zeit zu sein und die Antiquitäten waren ausgefallene Stücke, kein Ramsch wie es ihn auf Flohmärkten gab. Auf einem wunderschönen SheratonSekretär stand eine alte, abgenutzte Schreibtischgarnitur, daneben ein Jugendstil-Buffet, auf dem eine Sammlung verschiedener Porzellanfiguren Platz fand. Der Duft des frisch gebrühten Tees zog durch den Raum.
„Kommen Sie doch bitte hier herüber, es ist gemütlicher auf dem Sofa.“ Sie stand auf und näherte sich dem kleinen Tisch um auf diesem etwas zerbrechlich wirkenden aber bequemen Sofa Platz zu nehmen. Auf dem Tisch befand sich ein Adventskranz mit drei brennenden Kerzen sowie eine Kanne duftenden Tees mit zwei zierlichen Tassen aus feinem Bone-China-Porzellan. Der erste Schluck dieses heißen würzigen Getränkes weckte ihre Lebensgeister, eine wohlige Wärme stieg aus dem Inneren ihres Körpers auf. Der Tee duftete und schmeckte nach Zimt und Anis und erinnerte sie an ihre Kindheit …
Weihnachten in ihrer Kindheit, in ihrer Erinnerung war das Weihnachten mit Großmutter, mit dem Duft nach Zimtsternen und Anistalern, Weihrauch und Glühpunsch. Im Wohnzimmer stand ein Adventskranz mit vier roten Kerzen und sie wartete immer sehnsüchtig darauf, eine weitere Kerze anzuzünden. Am Morgen des Heiligen Abends stellten sie immer gemeinsam den Christbaum auf und schmückten ihn mit goldenen Zapfen und kleinen bunten Lebkuchen. Und dann gab es diese alte Krippe, die sie unter dem Baum aufstellten. Jedes Jahr diese schöne alte Krippe, die schon seit Jahrzehnten das Weihnachtsfest bei Großmutter prägte. Sie war alt, sehr alt und schon lädiert. Dem einen Engelchen fehlte ein Flügel und einem der Schäfchen war im Laufe der Zeit ein Ohr abgebrochen. Und doch … diese Krippe war für sie der Inbegriff von Weihnachten. Sie saßen davor um gemeinsam „Stille Nacht …“ zu singen.
Was war aus Weihnachten geworden? Wie hatte sich, seit Großmutters Tod, alles verändert? Die Krippe war verschwunden, niemand hatte sie seit dem mehr gesehen. Sie war verloren, wie viele andere Erinnerungen auch.

aus „Großmutters alte Krippe“

Ich wünsche eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit!

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